Naher Osten erschwert die Geldpolitik
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt den Leitzins auf 0 %. Zudem bestätigt sie die «erhöhte Bereitschaft» am Devisenmarkt zu intervenieren. Der Grund ist der Konflikt im Nahen Osten. Leicht erhöht hat die SNB deswegen auch die kurzfristige Inflationsprognose. Die Wachstumsprognose für das laufende Jahr hingegen bleibt gleich.
Ein Wort dominiert die Medienmitteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zur Einschätzung der aktuellen geldpolitischen Lage. Das Wort lautet Unsicherheit:
- So habe «die Unsicherheit bezüglich des Wirtschaftsausblicks mit dem Konflikt im Nahen Osten deutlich zugenommen».
- Neben der Situation im Nahen Osten bleibe zudem auch «der handelspolitische Ausblick weiterhin unsicher».
- Auch «mögliche Lieferkettenprobleme und die gestiegene Unsicherheit könnten auf dem Wachstum lasten».
- In der Folge werde in «unsicheren Zeiten der Franken als sicherer Hafen gesucht».
Die Passagen verdeutlichen, wie die erhöhte Unsicherheit die Geldpolitik der SNB erschwert. Erstens führt sie dazu, dass die Prognosegenauigkeit abnimmt. Vor allem, da mit dem Konflikt im Nahen Osten und der erratischen US-Handelspolitik zwei nur schwerlich schätzbare Variablen das globale Wirtschaftswachstum beeinflussen.
Zweitens steigt mit der Unsicherheit auch die Möglichkeit einer deutlicheren Verschlechterung der konjunkturellen Entwicklung. In der Folge muss die SNB, drittens, eher bereit sein, geldpolitisch zu handeln, um das Ziel der Preisstabilität zu gewährleisten.
Eine erhöhte Bereitschaft
Wenig überraschend betonte die SNB die «erhöhte Bereitschaft» am Devisenmarkt zu intervenieren, um eine rasche und übermässige Aufwertung des Franken zu verhindern. So hatte sich die SNB bereits nach dem israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran Ende Februar geäussert.
Ob die SNB seit Konfliktbeginn am Devisenmarkt interveniert hat, ist weiterhin offen. Hier wollte das SNB-Direktorium keine Aussage machen und verwies wiederholt auf die Publikation der Daten für das erste Quartal Ende Juni.
Temporär erhöhte Inflationserwartung
Die SNB hat wegen des Anstiegs der Energiepreise die kurzfristige Inflationserwartung erhöht. Für das zweite Quartal erwarten die Währungshüter eine Inflation von 0,5% (bisher 0,2%).
Die SNB rechnet aber weder mit einer mittel- noch mit einer langfristigen Erhöhung der Inflationsrate. Die Prognose befindet sich über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität (0 bis 2 %) und gilt für den Fall, dass der Leitzins weiter 0 % beträgt.
Bezüglich des Wirtschaftsausblicks geht die SNB in ihrem Basisszenario davon aus, dass der Anstieg der Energiepreise die Inflation in vielen Ländern kurzfristig erhöht. Zudem dürfte sich das Wachstum vorübergehend etwas verlangsamen, auch weil die höhere Inflation auf der Kaufkraft der Konsumentinnen und Konsumenten lasten dürfte. Stützend wirken hingegen die Geldpolitik sowie die in einigen Ländern expansivere Fiskalpolitik.
In der Schweiz erwartet die SNB für die kommenden Monate eher verhaltenes Wachstum, mittelfristig sei aber eine gewisse Belebung zu erwarten. Die Wachstumsprognose für das laufende Jahr beträgt 1%, gefolgt von 1,5% für das nächste Jahr. Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz ist laut der SNB die Entwicklung der Weltwirtschaft. «Insbesondere könnte die Situation im Nahen Osten die globale Wirtschaftsaktivität bremsen und den Aufwertungsdruck auf den Franken erhöhen», schreiben die Währungshüter.
Der Franken im Fokus
Auch wenn sich der handelsgewichtete Franken auf nominaler Basis in den vergangenen Jahren aufgewertet hat, gilt der Fokus laut der SNB auf der inflationsbereinigten Entwicklung. Real betrachtet habe sich der Franken gegenüber dem Euro und dem US-Dollar kaum verändert.
Entsprechend will die SNB mit ihrer erhöhten Bereitschaft eine «rasche und übermässige» Aufwertung des Franken infolge einer Fluchtbewegung in den «sicheren Hafen» bekämpfen. Wird der Franken in unsicheren Zeiten doch stark gesucht.
An der Unwahrscheinlichkeit von Negativzinsen hat sich nichts geändert. Die Hürden sind weiter sehr hoch. Entsprechend rechnen wir bis Ende des laufendes Jahres nicht mit einer Anpassung des Leitzinses. Die nächste geldpolitische Lagebeurteilung findet im Juni statt.
Was dies für Sie bedeutet
- Für Sparerinnen und Sparer ändert sich mit dem heutigen Entscheid wenig bis nichts: Auf Sparkonten ist der Ertrag bereits jetzt sehr niedrig. Daran dürfte sich nichts ändern, solange der Leitzins nicht erhöht wird.
- Ähnlich sieht es für Anlegerinnen und Anleger im festverzinslichen Bereich aus. Auch hier notieren die Renditen auf niedrigem Niveau; eine Änderung zeichnet sich leider nicht ab.
- Auf der positiven Seite bleiben die Zinsen aber wohl auch bei Hypotheken niedrig. Das ist eine erfreuliche Nachricht für Hypothekenbesitzerinnen und -besitzer. Seit der Leitzinssenkungen im Juni haben sich die Hypothekarzinsen sehr stabil gezeigt. Einzig bei Laufzeiten von zehn Jahren notieren sie leicht höher. Daran dürfte sich kaum etwas ändern. Und selbst bei einer Einführung von Negativzinsen ist eher nicht mit Niveaus zu rechnen, wie sie während der Negativzinsphase von 2015 bis 2022 galten. Das liegt unter anderem an den höheren Refinanzierungskosten der Banken.
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