Ein Kompass für bewegte Märkte
Künstliche Intelligenz, Inflation, geopolitische Unsicherheiten: An den Finanzmärkten gibt es laufend neue Themen, Risiken und Chancen. Alessandro Poletti und Thomas Vetterli erklären, wie Anlegerinnen und Anleger die Orientierung behalten und welche Rolle das Anlagemodell acrevis spektrum® dabei spielt.
Wie hat sich das Anlageumfeld in den letzten zehn Jahren verändert?
Alessandro Poletti: An den Finanzmärkten gibt es einen stetigen Wandel und meist ein vorherrschendes Narrativ, also ein Thema, das sehr präsent ist. Aktuell ist das die künstliche Intelligenz. Zuvor waren es Themen wie die Covid-Gewinner oder ESG-Anlagen. Auch bei den Zinsen ist sehr viel passiert. Wir hatten global ein sehr niedriges Zinsumfeld. In der Schweiz waren wir bei Negativzinsen. Wenn man eine 10-jährige Staatsobligation kaufte, wusste man von Anfang an, dass man Geld verliert. Dann kam das Jahr 2022 und damit die grosse Zinswende in vielen Regionen. Dann sicherlich auch das Thema Inflation. Heute ist sie omnipräsent, gerade in den USA. Was gleichgeblieben ist: Für langfristige Anlegerinnen und Anleger sind die Fundamentaldaten nach wie vor relevant, also die Zinsentwicklung, das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne.
Welchen Einfluss hat das auf die Grundprinzipien einer soliden Vermögensanlage?
Alessandro Poletti: Die Grundprinzipien des Anlegens sind ebenfalls gleichgeblieben. Sie helfen uns in stürmischen Zeiten. Erstens die Diversifikation: Klingt einfach, es ist aber ganz zentral, sie richtig umzusetzen. Zweitens müssen die persönliche Situation und die Anlagestrategie zusammenpassen. Wer jeden Morgen ins Depot schaut und nervös wird, sollte vielleicht die Aktienquote etwas reduzieren. Drittens der Anlagehorizont: Wer 15 Jahre Zeit hat, kann anders anlegen als jemand, der sein Geld nur für zwei Jahre parkieren will. Doch am wichtigsten für den Anlageerfolg ist es, die Emotionen zu kontrollieren, langfristig investiert zu bleiben und vom Zinseszinseffekt zu profitieren.
Was hat sich bei den Anlageklassen verändert?
Thomas Vetterli: Aufgrund der in den letzten Jahren stetig sinkenden Zinsen in der Schweiz ging der Obligationenanteil in den Portfolios kontinuierlich zurück. Heute werden Obligationen aufgrund der Zinssituation höchstens noch zur Diversifikation genutzt, aber nicht mehr als Renditetreiber. Anders sieht die Entwicklung bei den Aktien aus: Stand früher mehrheitlich das Verlustpotenzial im Fokus, haben sich Aktien heute als wichtigste Anlageklasse etabliert. Schweizer Immobilien blieben stabil und alternative Anlagen haben sich, vor allem in den Vermögensverwaltungsmandaten, als sinnvolle Portfolioergänzung erwiesen.
Welche Themen beschäftigen Anlegerinnen und Anleger im Moment am meisten?
Thomas Vetterli: Das ist primär die Orientierung in einem komplexen Umfeld. Es werden Kriege geführt, Öl- und Goldpreis schwanken stark, Zinsen steigen tendenziell und die Inflation ist ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Da fragen sich viele: Was bedeutet das für mein Portfolio? Muss ich etwas ändern? Soll ich die Gewinne ins Trockene bringen für unsichere Zeiten oder einfach investiert bleiben? Fragen, die natürlich individuell zu beantworten sind. Von grosser Bedeutung ist deshalb die enge Begleitung unserer Kundinnen und Kunden. Wir können ihnen Zusammenhänge erklären und Fragen beantworten, wenn sie unsicher sind. Eine häufige Frage, insbesondere von Kundinnen und Kunden, die noch wenig Erfahrungen mit Anlagen gemacht haben, ist jene nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt.
Was antwortest du darauf?
Thomas Vetterli: Dass es viel wichtiger ist, überhaupt investiert zu sein, als sich den Kopf über den richtigen Einstiegszeitpunkt zu zerbrechen. Es braucht ein gutes Gefühl, eine gute Begleitung und am Anfang vielleicht ein bisschen Mut, um beim Anlegen den ersten Schritt zu machen. Mit Blick auf die vergangenen Jahre hat es sich sehr oft gelohnt, den Mut aufzubringen und zu investieren. Wer hingegen schon jahrzehntelang investiert ist, fragt sich eher, wie sich die Finanzmärkte in den nächsten Monaten und Jahren verändern könnten, und passt das Portfolio entsprechend an. Das können zum Beispiel Gewinnmitnahmen oder Aufstockungen nach Korrekturen sein.
Alessandro Poletti: Interessant finde ich, dass Rekordhochs an den Aktienmärkten auf viele Neuanlegerinnen und -anleger abschreckend wirken, weil sie befürchten, unmittelbar darauf Verluste durch eine Marktkorrektur zu erleiden. Statistisch waren Rekordhochs langfristig gesehen jedoch meist gute Einstiegszeitpunkte.
Viele Menschen schätzen Bargeld als sehr sicher ein, obwohl es langfristig stark an Kaufkraft verliert. Gleichzeitig sehen sie bei Wertschriften primär das Schwankungsrisiko, aber nicht die Renditechancen. Warum diese Diskrepanz?
Thomas Vetterli: Dabei geht es um die sogenannte Verlustaversion, also das Phänomen, dass wir Menschen Verluste emotional doppelt so stark gewichten wie gleich hohe Gewinne. Neuanlegerinnen und -anleger sehen deshalb vor allem die Risiken, die Investitionen in Wertschriften mit sich bringen. Die Angst vor einem Verlust ist stärker als die Aussicht, einen Gewinn zu erzielen. Das ist sehr menschlich.
Wie begegnest du dieser Tatsache?
Thomas Vetterli: Wir erklären Hintergründe und zeigen Fakten auf. So hat zum Beispiel eine Studie von Pictet, die bis ins Jahr 1900 zurückreicht, ergeben, dass man bei einer Anlagedauer von zehn Jahren in Schweizer Aktien so gut wie nie Verluste gemacht hat. Das ist ein starkes Argument, doch am Ende muss selbstverständlich jede Person individuell entscheiden, ob sie den Schritt an die Märkte macht oder nicht.
Wie gelingt es Anlegerinnen und Anlegern, auch bei unruhigen Märkten an ihrer Anlagestrategie festzuhalten?
Thomas Vetterli: Wichtig ist ein regelmässiger Austausch mit unseren Kundenberaterinnen und Kundenberatern. Sie sind nahe am Markt und verfügen über das Wissen und die Erfahrung, die es in solchen Momenten braucht. Das schafft Sicherheit und sorgt für die nötige Gelassenheit, um unruhige Marktphasen gut zu überstehen. Die Anlageerfahrung ist dabei ein wichtiger Aspekt: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es sich in den allermeisten Fällen lohnt, Stürme auszusitzen und dabei vielleicht sogar Opportunitäten zu nutzen, wie zum Beispiel das Aufstocken der Kernanlagen.
Um Anlegerinnen und Anlegern Orientierung zu bieten, hat acrevis vor zehn Jahren das Anlagemodell acrevis spektrum® entwickelt. Wie funktioniert das?
Alessandro Poletti: Wir wünschten uns damals einen Kompass, der uns durch diese Stürme führt und uns als Entscheidungsgrundlage dient. Wir haben dann unser eigenes Modell entwickelt, das drei Dimensionen vereint: eine technische, eine verhaltensbezogene und eine fundamentale. Jede Anlageklasse wird basierend auf diesen drei Dimensionen analysiert und erhält eine Bewertung. Bei den Aktien beispielsweise geht die Analyse bis auf Ebene der Einzelaktie. Jede Aktie erhält eine Bewertung von 0 bis 8 Punkten.
Läuft das alles automatisiert ab?
Alessandro Poletti: Es ist ein Zusammenspiel von Mensch und Modell. Wir nutzen die Daten des Modells als Fundament. Am Ende sind es jedoch immer Menschen mit Erfahrung und Expertise aus unserem Investment Center, die die Daten einordnen und Anlageentscheidungen treffen.
Wo kommt das Modell zum Einsatz?
Alessandro Poletti: Es kommt in der gesamten Anlagewelt von acrevis zum Einsatz. Aus den spektrum-Bewertungen leiten wir unsere Anlageempfehlungen ab. Einerseits für unsere Vermögensverwaltungsmandate, andererseits in der Anlageberatung, wo wir beispielsweise bei Schweizer Aktien eine Empfehlungsliste mit 45 Einzelaktien führen.
Wie zeigt sich der Nutzen von acrevis spektrum® im Austausch mit Kundinnen und Kunden?
Thomas Vetterli: Sowohl unsere Kundinnen und Kunden als auch wir als Anlageexperten haben mit acrevis spektrum® einen Kompass, an dem wir uns orientieren können. Das Modell ist einerseits klar strukturiert und entsprechend erklärbar, andererseits zeigt es transparent auf, in welche Anlageklassen und Anlagebausteine das Vermögen unserer Kundinnen und Kunden investiert ist.
Welche Bilanz ziehst du nach zehn Jahren acrevis spektrum®?
Alessandro Poletti: Das Modell hat sich in unterschiedlichen Marktphasen bewährt. Die erzielte Rendite ist der Beweis dafür. Das bestätigen auch unabhängige Vergleiche. So liegt beispielsweise unser Aktien-Schweiz-Mandat im Vergleich mit rund 200 Mitbewerbern auf Rang 30. Das ist ein hervorragendes Ergebnis, das zeigt, dass erfolgreiches Anlegen ein fundiertes System als Entscheidungsgrundlage benötigt. Unerlässlich ist aber auch die menschliche Komponente, die genauso zu acrevis spektrum® gehört wie die drei Dimensionen.