Die SNB strahlt Ruhe aus
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt den Leitzins auf 0%. Zudem zeigt sie «bei Bedarf» erhöhte Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren. Leicht erhöht hat die SNB die kurzfristige Inflationsprognose, die mittelfristige minim. Die Wachstumsprognose hingegen bleibt gleich.
Die SNB befindet sich in einer angenehmen Lage. Geo- und Handelspolitik sorgen zwar weiter für erhöhte Unsicherheit, vieles sonst entwickelt sich aber im Sinne der Zentralbank:
- Die Inflation ist hauptsächlich wegen höheren Preisen für Erdölprodukte gestiegen, signifikante Zweitrundeneffekte gibt es nicht.
- Die Teuerung dürfte sich mittelfristig im Bereich der Preisstabilität halten. Das Hauptziel der SNB ist also weiter erreicht.
- Die heimische Konjunktur zeigt sich robust und die SNB sieht keinen Bedarf, von ihrer Wachstumsprognose abzurücken.
- Der Schweizer Franken hat sich in den vergangenen Wochen abgeschwächt, auch weil die Zinsen in den grossen Währungsräumen gestiegen sind.
Das alles führt dazu, dass die SNB keinen Bedarf sieht, ihre Geldpolitik anzupassen. Weder Zinserhöhungen noch Negativzinsen sind derzeit ein Thema. Ökonomen und Marktteilnehmerinnen sehen das gleich. Auch sie rechnen die nächsten Quartale nicht mit einer Anpassung.
Bezüglich der Interventionen am Devisenmarkt hat die SNB sogar eine kleine verbale Entschärfung vorgenommen. So zeigt die SNB zwar wie bisher eine «erhöhte Bereitschaft» am Devisenmarkt zu intervenieren, neu aber nur noch «bei Bedarf». Von einer Abschwächung wollte SNB-Präsident Martin Schlegel dann aber doch nicht sprechen.
Temporär erhöhte Inflationserwartung
Im Vergleich zur Sitzung im März ist die Inflation wie erwartet gestiegen. Die Teuerung kletterte von 0,1% im Februar auf 0,6% im Mai. Dieser Anstieg war laut SNB hauptsächlich auf höhere Preise für Erdölprodukte zurückzuführen. Die anderen Waren und Dienstleistungen trugen kaum zum Anstieg der Teuerung bei. Es zeigen sich also keine Zweitrundeneffekte.
Über die nächsten Quartale dürfte die Inflation wegen der gestiegenen Erdölpreise sowie des Basiseffekts erhöht bleiben. Das sei aber nur eine temporäre Erscheinung. Zudem befindet sich die Prognose über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität (0 bis 2%) und gilt für den Fall, dass der Leitzins weiter 0% beträgt.
Bezüglich des Wirtschaftsausblicks geht die SNB in ihrem Basisszenario davon aus, dass die erhöhte Inflation die Kaufkraft der Konsumenten belastet und das Wachstum kurzfristig moderater ausfällt als in den Vorquartalen. Mittelfristig dürfte das Wachstum aber wieder anziehen.
Die Unsicherheit ist gemäss der SNB vor allem wegen der nach wie vor fragilen Situation im Nahen Osten weiter hoch. Für Unsicherheit sorgt aber auch das handelspolitische Umfeld. In der Schweiz zeigte sich die Wirtschaftsentwicklung angesichts des Konflikts im Nahen Osten widerstandsfähig. So wuchs das Bruttoinlandprodukt im ersten Quartal solide. Die Arbeitslosigkeit stieg seit der letzten Lagebeurteilung etwas an.
In den kommenden Quartalen dürfte die moderatere Entwicklung der Weltwirtschaft laut der SNB das Wachstum in der Schweiz dämpfen, während die Geldpolitik stützend wirkt. Mittelfristig liefert die erwartete Verbesserung der internationalen Konjunktur einen Wachstumsimpuls. Für 2026 rechnet die Nationalbank mit einem Wachstum von 1%, für 2027 mit einem Plus von 1,5%. Beide Werte sind gleich wie im März.
Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten sei die Entwicklungen in der Weltwirtschaft. Besonders die Lage im Nahen Osten könne sich erneut zuspitzen und die globale Konjunktur stärker bremsen. Auch könne der Aufwertungsdruck auf den Franken wieder zunehmen. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei zudem die US-Handelspolitik.
Der Franken im Fokus
Entspannung gibt es auch auf der Währungsfront. So hatte der Aufwertungsdruck auf den Franken nach dem Angriff auf den Iran zugenommen – weswegen die SNB die Bereitschaft zu intervenieren im März erhöht hatte – zuletzt ist er aber wieder gesunken.
Das liegt laut er SNB daran, dass die Zinsen in den grossen Währungsräumen gestiegen sind, auch weil die Märkte aufgrund der höheren Inflation dort eine straffere Geldpolitik erwarten. Gleichwohl ist die geopolitische Lage unsicher und die SNB zeigt «bei Bedarf» eine erhöhte Bereitschaft, zu intervenieren.
Trotz der diversen Unsicherheiten befindet sich die SNB in einer angenehmen Lage. Stand jetzt gibt es keinen Bedarf an der Geldpolitik Anpassungen vorzunehmen. Entsprechend rechnen wir bis Ende Jahr nicht mit einer Anpassung des Leitzinses. Die nächste geldpolitische Lagebeurteilung findet im September statt.
Was dies für Sie bedeutet
- Für Sparerinnen und Sparer ändert sich mit dem heutigen Entscheid wenig bis nichts: Auf Sparkonten ist der Ertrag bereits jetzt sehr niedrig. Daran dürfte sich nichts ändern, solange der Leitzins nicht erhöht wird.
- Ähnlich sieht es für Anlegerinnen und Anleger im festverzinslichen Bereich aus. Auch hier notieren die Renditen auf niedrigem Niveau; eine Änderung zeichnet sich leider nicht ab.
- Auf der positiven Seite bleiben die Zinsen aber wohl auch bei Hypotheken niedrig. Das ist eine erfreuliche Nachricht für Hypothekenbesitzerinnen und -besitzer. Seit der Leitzinssenkungen im Juni haben sich die Hypothekarzinsen sehr stabil gezeigt. Einzig bei Laufzeiten von zehn Jahren notieren sie leicht höher. Daran dürfte sich kaum etwas ändern. Und selbst bei einer Einführung von Negativzinsen ist eher nicht mit Niveaus zu rechnen, wie sie während der Negativzinsphase von 2015 bis 2022 galten. Das liegt unter anderem an den höheren Refinanzierungskosten der Banken.
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